Erstversorgung – Diese Technologien machen den Unterschied. Teil 4: Signia

Erstversorgung – Diese Technologien machen den Unterschied. Teil 4: Signia

In den letzten Teilen unserer Artikelserie erhielten wir bereits einige spannende Einblicke in die Strategien der Hörsysteme-Hersteller: Was tun Widex, GN ReSound und Starkey, um Hörgeräte-Einsteigern die Eingewöhnung ins neue Hören so angenehm wie möglich zu machen? So vielfältig wie die Unternehmen sind auch ihre Lösungen, die allesamt dazu führen, dass schwerhörige Menschen endlich wieder aktiv am Alltag teilhaben können. Im vierten Teil der Serie nehmen wir einen Hersteller unter die Lupe, der in den letzten Jahren im besonderen Maße auf sich aufmerksam machte: Signia.

Signia: beliebteste Hörgerätemarke – auch bei Erstversorgten?

Der Rundumschlag mit Rallyefahrer Walter Röhrl und nun auch die Partnerschaft mit dem traditionsreichen Fußballverein der Spielvereinigung Greuther Fürth unterstreichen Signias Händchen für zeitgemäßes Marketing. Doch nachhaltig überzeugen kann nur, wer auch qualitativ abliefert. Hier zeigt sich der Hersteller seit jeher innovativ: 2021 wurde die aktuelle Technologie-Plattform Augmented Xperience eingeführt: 2-Wege-Signalverarbeitung für bessere Sprachverständlichkeit trotz präsentem Umgebungsklang, Own Voice Processing 2.0 für eine natürliche eigene Stimme, Auto EchoShield für Souveränität in hallenden Räumen und der bereits seit Xperience integrierte Signia Assistant, der auch in den schwierigsten Hörsituationen Abhilfe schafft. Nicht nur diese Funktionen brachten Signia den Titel „Beliebteste Hörgerätemarke“ im Hörgerätevergleich von ntv und dem Deutschen Institut für Service-Qualität ein.

Vier einzigartige Features von Widex

2-Wege-Signalverarbeitung

Own Voice Processing 2.0

Auto EchoShield

Signia Assistant

Signia teilt das Klangumfeld in Nutz- und Umgebungssignale auf. Anstatt wie zuvor nur über einen gemeinsamen, stehen AX-Hörsystemen dafür zwei getrennte Signalverarbeitungswege zur Verfügung, die unabhängig voneinander agieren.

Own Voice Processing erkennt die eigene Stimme und regelt sie auf ein angenehmes Level herunter. Das Upgrade auf OVP 2.0 optimierte die Stimmkalibrierung durch die Nutzung des zusätzlichen, getrennten Signalverarbeitungspfades. Sprecher aus der Umgebung bleiben somit von der Dämpfung unangetastet.

Geringe Pegel werden durch Hörgeräte mehr verstärkt als laute Pegel. Echos können durch Ihre Eigenschaft, dass diese leiser als das Originalsignal sind überverstärkt werden, Sprache verzerren und somit unverständlich machen. Auto EchoShield erkennt den dafür verantwortlichen Anteil im Nachhall und reduziert diesen.

Mithilfe eines geführten Frage-Antwort-Dialogs über einen Chatbot in der zugehörigen Signia App kann der Nutzer die Klangeinstellungen in schwierigen Hörsituationen optimieren. Der Hörakustiker kann die Klangpräferenzen einsehen und die Einstellungen gegebenenfalls dauerhaft übernehmen.

Sprachverstehen und Umgebungseindrücke sind im optimalen Verhältnis zueinander: Sprache klingt glasklar, während der Umgebungsklang angenehm präsent ist – 25 Prozent besseres Sprachverstehen im Gegensatz zum Vorgänger-Chip Xperience.

Für Hörgeräte-Einsteiger kann es sehr irritierend sein, wenn die eigene Stimme mitverstärkt wird. OVP 2.0 reduziert diese Verstärkung und schafft damit eine höhere Spontanakzeptanz. Zusätzlich hört der Träger das Gesprochene anderer Gesprächspartner in lebhaften Diskussionen, während er selbst spricht.

Nutzer von Hörsystemen haben Schwierigkeiten, in hallenden Räumen Sprache zu verstehen. Auto EchoShield eliminiert dieses Problem vollständig.

Der Nutzer behält selbst die Kontrolle über seinen Hörerfolg, da er in schwierigen Klangsituationen sein Hörbedürfnis anpassen kann. Die Sicherheit und das Vertrauen ins Hörsystem wachsen.

Ab 3AX

Ab 3AX 7AX, bei 5AX manuell wählbar Signia AX alle, Signia Xperience alle

2-Wege-Signalverarbeitung

Bereits seit der Xperience-Plattform nutzt Signia die sogenannte Layer-Technologie: Nutz- und Umgebungsschall werden virtuell in zwei Ebenen aufgeteilt. Vorher hatte sich der Nutzer der Hörsysteme zwischen nach vorne gerichtetem und omnidirektionalem Klang entscheiden müssen. Nun war beides gleichzeitig möglich.

Augmented Xperience baut darauf auf. Die beiden Ebenen für Nutzschall (Sprache) und Umgebungsschall (Hintergrundgeräusche) besitzen nun jeweils einen realen Signalverarbeitungspfad mit 48 Kanälen – aus virtuellen Layers werden eigenständige Signalpfade. Anwendungen wie Störgeräuschreduktion, AGC-I Kompression oder die Verstärkung können nun unterschiedlich eingesetzt werden. So wird die Aufmerksamkeit auf den relevanten Sprecher wesentlich erleichtert, während Umgebungsgeräusche in den Hintergrund rücken, aber dennoch präsent sind.

Die positive Auswirkung der 2-Wege-Signalverarbeitung auf das Hörerlebnis mit AX-Hörsystemen wurde bereits wissenschaftlich belegt. Eine in Zusammenarbeit mit dem Hörzentrum Oldenburg durchgeführte Studie bestätigt: Signia AX ermöglicht ein um 25 Prozent verbessertes Sprachverstehen im Störlärm (Jensen, Pischel, Taylor, Schulte: Die Leistung von Signia AX in häuslichen Situationen (Signia White Paper, 2021)).

Own Voice Processing 2.0

Man nimmt die eigene Stimme immer anders wahr als Außenstehende. Wenn das Hörsystem die eigene Stimme verstärkt und in die Ohren überträgt klingt sie häufig ungewohnt. Besonders zu Beginn der Hörgerätenutzung ist die Umgewöhnung schwierig und das Frustpotenzial hoch. Signia ist bis heute der einzige Hersteller, der die eigene Stimme gezielt herunterregelt und damit gewohnt natürlich klingen lassen kann.

Own Voice Processing lernt während einer kurzen Kalibrierung in der Anpassung die eigene Stimme kennen. Dadurch weiß das Hörsystem in Zukunft, wann und wie der Träger spricht, und kann das spezifische Signal so anpassen, dass es nicht als störend empfunden wird.

Die für Signia AX charakteristische 2-Wege-Signalverarbeitung ermöglichte die Weiterentwicklung zu Own Voice Processing 2.0. Das Hörsystem nutzt nun die Tatsache, dass die eigene Stimme immer fest in der vorderen Hemisphäre lokalisiert ist. Damit fällt es dem Hörsystem noch leichter, den Klang der eigenen Stimme auch in lautem Umgebungslärm zu erkennen und zu optimieren. Selbst in Hörsituationen mit mehreren Gesprächspartnern bleiben deren Sprachanteile erhalten, obwohl die eigene Stimme ggf. gleichzeitig gedämpft wird. Auf diese Weise wirkt sie immer angenehm und natürlich.

Auto Echo Shield

In hallenden Räumen, zum Beispiel Kirchen oder Museen, haben Hörsystem-Träger oft größere Probleme als Normalhörende. Das liegt an der nichtlinearen Verstärkung der Hörsysteme: Da diese bei leiseren Eingangsgeräuschen höher ist, werden spätere Klangreflexionen, also Echos, mehr verstärkt. Das führt je nach Situation zu einem schwer definierbaren Stimmgewirr.

Für die Sprachverständlichkeit essenziell sind der Direktschall und die frühen Reflexionen. Spätere Reflexionen verursachen eine Verschlechterung des Sprachverstehens. Damit die Raumakustik erhalten bleibt, ohne dass das Verstehvermögen darunter leidet, überwacht Auto EchoShield die Raumakustik ständig und überprüft sie auf Schallreflexionen.

Bei jedem Klangsignal wird mithilfe eines fortschrittlichen Algorithmus die Nachhallzeit geschätzt. Werden späte Klangreflexionen erkannt, wird die Verstärkung dieser Signale reduziert, während die des Direktschalls und früher Reflexionen beibehalten wird.

Die Auto EchoShield-Funktion baut auf den Prinzipien des in Signia-Modellen vorheriger Generationen bereits angewendeten Echo Shields auf. Im Gegensatz zum manuell ausgewählten Programm, scannt Auto EchoShield jedoch automatisch die Umgebung und aktiviert sich bei Bedarf. Es passt seine Verarbeitung direkt an die erkannte Menge an Nachhall in einem Raum an, egal ob es sich um geringe oder hohe Nachhallanteile handelt.

Signia Assistant

Seit Einführung der Xperience-Plattform verfügen Signia-Hörsysteme über den Signia Assistant. Er ist über die Signia App aufrufbar und bietet Unterstützung in schwierigen Hörsituationen. In Form eines Chats wird der Nutzer durch ein Frage-Antwort-Programm geführt, in welchem er offenlegt, welche Hörprobleme ihm in der aktuellen Situation Schwierigkeiten bereiten. Anschließend passt das Hörsystem die Einstellungen entsprechend an. Der Nutzer kann entscheiden, ob er die Einstellungen übernehmen möchte.

Der Hörsysteme-Träger kann in schwierigen Hörsituationen eigenmächtig Verbesserung erwirken und erhält dadurch Kontrolle über sein Hören – das ist insbesondere Erstversorgten während der Testphase wichtig. Doch auch dem Hörakustiker bietet der Signia Assistant nicht zu unterschätzenden Mehrwert. Denn beim nächsten Besuch können Kunde und Hörakustiker sämtliche Einsätze und Einstellungen einsehen und miteinander besprechen, ob und welche Anpassungen dauerhaft übernommen werden sollen. Wichtig zu wissen: Die Einstellungen, die der Hörgeräteträger gemeinsam über den Signia Assistant anpasst, bewegen sich in einem vorgegebenen Rahmen. Voraussetzung für den Hörerfolg ist immer die professionelle Anpassung des Hörakustikers.

Dass der Signia Assistant bei Hörgeräte-Einsteigern Erfolge erzielt, bestätigt eine Studie aus dem Jahr 2020: 93 Prozent der Hörsysteme-TrägerInnen behaupten, dass der Signia Assistant das Vertrauen ins Hörsystem stärkt und ihnen mehr Kontrolle über ihren Hörerfolg gibt. (Hoydal, Fisher, Wolf, Branda, Aubreville: Empowering the wearer: AI-based Signia Assistant allows individualized hearing care. (Hearing Review 2020;27(7) 22-26)).


Zum Weiterlesen:

Erstversorgung: Diese Technologien machen den Unterschied.



Quellen: 

https://www.signia-pro.com/de-de/produkte/signia-ax/

https://www.signia-pro.com/-/media/signia/de/files/informationsmaterial/signia-neuheitenbroschuere---maerz-2022.pdf

https://www.signia-library.com/wp-content/uploads/sites/137/2022/05/Signia-White-Paper_Upgrading-the-performance-of-Signia-AX_2022-05.pdf


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