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Jabra und Sennheiser platzieren erste OTCs in Deutschland

Jabras Self-Fitting-Hörgerät Enhance Plus ist nun auch in Deutschland erhältlich. In einem Live-Webinar präsentierte Referent und Vertriebsaudiologe Rasmus Faber die Vorzüge des neuen Produkts und gab Tipps, wie es seinen Platz in Hörakustik-Fachbetrieben finden könnte. Die Argumente klangen dabei ganz ähnlich wie die für OTC-Hörgeräte in den USA. Und auch wenn das Jabra-Hörgerät per Definition keines ist, wird es dort immerhin als solches vermarktet. Sind diese rezeptfreien Hörlösungen nun also doch für den deutschen Markt relevant?

Jabra und Sennheiser platzieren erste OTCs in Deutschland

Rezeptfreie Hörgeräte sprechen größte Zielgruppe an

Obwohl Krankenkassen die Hörgeräteversorgung bezuschussen, gibt es auch in Deutschland einen großen Anteil unversorgter schwerhöriger Menschen. Die meisten von ihnen tummeln sich im Bereich des beginnenden bis mittelgradigen Hörverlusts. Hier sieht Jabra die Zielgruppe für sein neues Enhance Plus Earbud-Hörgerät: Kostenpunkt circa 800 Euro für das Paar.

Die Zielgruppe definiert der Hersteller wie folgt: Jabra Enhance Kandidaten sind wahrscheinlich jünger als durchschnittliche Hörsystemträger, haben einen milden bis moderaten Hörverlust und erleben Herausforderungen in lauten Situationen, haben Erfahrungen mit Bluetooth-Kopfhörern und streamen gerne von ihrem Smartphone, suchen nach einer Lösung, die sie schnell einsetzen können, wenn sie sie brauchen, fühlen sich noch nicht bereit für ein Hörsystem oder möchten keines und haben ein iPhone 11 oder neuer

Eine Zielgruppe des Ersteinstiegs in die Welt des besseren Hörens also. Sie liegen nicht im Indikationsbereich, haben einen gewissen Leidensdruck und den Weg ins Hörakustik-Fachgeschäft gefunden. Wird man sie mit den neuen OTC-Hybriden erreichen?

Hybrid aus Hörgerät und Earbud

OTC Hörgeräte
Die „OTC“-Hörgeräte der Hersteller Jabra (links) und Sennheiser (rechts) fassen nun auch im deutschen Markt Fuß.

Jabra Enhance Plus stellt eine ebensolche Hybridlösung dar, kann echte Hörgerätefeatures vorweisen, während es rein äußerlich ganz klar ein Earbud sein möchte. Mittels NAL-NL2 Anpassformel und einem in die App integrierten Hörtests stellt sich das Gerät automatisch auf den Hörverlust des Nutzers ein und kann dabei bis zu 25 dB verstärken. Von GN bekannte Technologien wie Warp-Kompression, umgebungsbasierte Geräuschunterdrückung, Expansion, Impulsgeräuschunterdrückung, automatische, digitale Rückkopplungsunterdrückung und sogar automatische Situationserkennung vermitteln dem Nutzer einen ersten Eindruck, was ein Hörgerät alles kann.

Darüber hinaus können die Geräte selbstverständlich alles, was ein Earbud können muss: Musik Streaming steht neben der Hörtechnologie an erster Stelle. Mit bis zu 9 Stunden Akkulaufzeit ist diese zwar deutlich kürzer als bei herkömmlichen Akku-Hörgeräten, aber immer noch länger als bei den meisten Earbuds. Laut eigenen Angaben sollen die Geräte als „Lesebrille für die Ohren“ sowieso nur situativ getragen werden und da genügt die Laufzeit allemal, insbesondere weil das Case drei volle Aufladungen ohne externe Stromquelle bereithält.

Jabra Enhance Plus: Eine Chance für den Fachhandel?

Jabra Enhance Plus wird ausschließlich über den Hörakustik-Fachhandel vertrieben. Und für diesen sollen sich durch die Aufnahme ins Sortiment besondere Vorteile ergeben, wie Rasmus Faber im Webinar anspricht. Nicht nur wachse durch solche Produkte die Akzeptanz für Hörlösungen – was der Hörakustik-Branche im Allgemeinen gut bekäme – er sieht darin auch ein Kundenbindungstool.

Kunden, die noch nicht für ein Hörgerät in Frage kämen, müssten dann nicht unverrichteter Dinge nach Hause geschickt werden. Sein Tipp: Ein Testgerät liegt im Laden, bei Bedarf wird das Gerät für den Kunden bestellt. Auch den Anpassprozess über die App solle man am besten gemeinsam mit dem Kunden durchführen.

Mit Sennheiser Conversation Clear Plus zieht Sonova nach

Ob und mit welchem Einschlag diese neuen Hörgeräte die Branche beeinflussen, wird die Zukunft zeigen. Vertrauen in das Konzept beweisen Hersteller allemal. Auch Die Übernahme der Consumer Electronics Sparte von Sennheiser durch Sonova trägt nun erstmalig Früchte: Die Sennheiser Conversation Clear Plus-Geräte sind ähnlich einzuordnen wie die Jabra-Produkte. Auch sie besitzen audiologische Features wie Sprachverstärkung, eine automatische Umgebungserkennung und Geräuschunterdrückung. Darüber hinaus sind sie ebenfalls über eine App an die individuelle Hörschwäche anpassbar und bewegen sich in einem ähnlichen Preisrahmen.

Sicher darf man nicht vergessen, dass diese Geräte vorrangig für den US-amerikanischen Markt entwickelt wurden, wo die neu eingeführte Kategorie rezeptfreier Hörgeräte eine wichtige Versorgungslücke schließen soll. Zweifelsohne verspricht der Blick auf den europäischen und deutschen Markt dennoch Spannung. Schließlich werden die Leistungen unserer Krankenkassen oft als Todschlagargument genannt, weshalb rezeptfreie Hörgeräte hier wohl schwer Fuß fassen könnten – oder?

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