Neue Standards bei Bahnhofsdurchsagen: 2,4GHz-Schnittstelle soll induktive Höranlage ablösen

Veröffentlicht am 13.07.2017

Deutsche Bahn schafft Barrierefreiheit für Schwerhörige

Resound in Kooperation mit der Deutschen Bahn: Barrierefreiheit für Schwerhörige

Bahnhofsdurchsagen klar und deutlich zu verstehen, wird schon für manch einen Normalhörenden zur Herausforderung. Wie viel schwieriger ist es dann als Hörgeräteträger diese zu verstehen? Einige Bahnhöfe haben daher aufgerüstet und speziell für Hörgeräteträger induktive Höranlagen eingerichtet. Da die meisten Hörgeräte über eine integrierte induktive Telefonspule verfügen, trägt das Empfangen der Bahnhofsdurchsage innerhalb einer induktiven Höranlage wesentlich zur Erleichterung des Verstehens bei. Diese sind zumeist speziell gekennzeichnet und um ideal verstehen zu können, müssen sich Hörgeräteträger dazu innerhalb dieser sogenannten induktiven Ringschleife befinden.

2,4 GHz-Technologie löst induktive Höranlagen ab

Ein Standard der an seine Grenzen stößt. Denn die wenigsten Hörgeräteträger schalten am Bahnhof ständig in das Hörprogramm zum induktiven Empfangen der Bahnhofsdurchsage um und eine automatische Erkennung von Ringschleifen sieht die aktuelle Hörgerätetechnologie noch nicht vor. Im Sinne der Barrierefreiheit, startet die Deutsche Bahn nun zusammen mit dem Hörgerätehersteller ReSound ein Pilotprojekt, welches die induktive Übertragung durch Funkübertragung ersetzt. Zukünftig sollen Bahnhofsdurchsagen auf der Frequenz von 2,4 GHz erfolgen. Da auch die Hörgeräteindustrie zunehmend auf die 2,4 GHz-Technologie setzt und ihre Hörgeräte damit ausstattet, könnte dies ein neuer Standard zum klaren Verstehen der Bahnhofsdurchsagen für Hörgeräteträger werden. Ein Standard der langfristig auch die induktiven Höranlagen auf Flughäfen, Kirchen und Museen zum Einsatz kommen könnte.

Deutsche Bahn und ReSound in Kooperation

Joachim Gast, Geschäftsführer ReSound

Wissenschaftliche Hörgeräte-Studie 2017

Der Bahnhof Berlin Südkreuz, welcher bereits Testumgebung für die automatische Gesichtserkennung ist, wird auch Testumgebung für die Signalübertragung der Bahnhofsdurchsagen via 2,4 GHz-Bluetooth Low Energy-Frequenz. Bereits beim IFA Media Briefing präsentierte ReSound seine branchenübergreifende Kooperation für Hörgeräte-Vernetzung und trägt damit maßgeblich zum Image-Wandel der traditionellen und stigmatisierten Hörgeräte bei.

Joachim Gast, Geschäftsführer von ReSound Deutschland (Foto links) über die neuen Möglichkeiten von Hörgeräten mit 2,4GHz-Technologie: "Vielen erscheinen diese Hörgeräte wie trendige Wearables, die häufig sogar Vorteile gegenüber Menschen ohne Hörminderung eröffnen. Sie sind in erster Linie medizintechnische Spitzenprodukte. Zusätzlich zu den herausragenden audiologischen Features bieten sie eine Vielzahl smarter Vernetzungsoptionen und stehen somit für eine neuartige Verbindung aus Medizintechnik und Consumer Electronics. Überaus erfreulich ist, dass die Attraktivität der smarten Hörtechnik viele Menschen motiviert, den Gang ins Hörakustik-Fachgeschäft nicht aufzuschieben, sondern die neuen Möglichkeiten im Fall der Fälle einfach mal auszuprobieren."

Es lohnt sich also an Aktionen von Hörakustikern teilzunehmen und die neuen Hörfunktionen selbst zu erleben.

Bild: pixabay / IFA