Ein Hörgerät komplett unter der Haut - erstmalig von Jenaer Ärzten in Thüringen implantiert

Veröffentlicht am 25.09.2017

Carina: Ein Hörgerät vollständig unter der Haut

erstmalig in Thüringen vollimplatierbares Hörgerät implantiert

Prof. Dr. Med. S. Koscienly beim induktiven Aufladen des implantierten Carina-Hörgeräte-Akkus

Im Juni 2017 stellte das Unternehmen Cochlea, bekannt für teil- und voll-implantierbare Hörsysteme, sein neuartiges und erstes vollständig implantierbares Hörgerät Carina vor. Hinter dem Ohr implantiert, arbeitet es subkutan (unter der Haut) und kann dauerhaft im Körper verbleiben. Der Vorteil dieser Versorgung besteht vor allem in der Unsichtbarkeit der Hörgeräte, die zudem 24h aktiv im Einsatz sind und durch ihren festen Sitz vor eindringendes Wasser und vor Verlust geschützt sind. Betrieben wird das Hörgerät mit einem wieder aufladbaren Akku, der ebenso unter der Haut liegt und induktiv, von außen, bis zu 4.000 Mal aufgeladen werden kann.

In Thüringen wurde das voll-implantierbare Hörsystem Carina erstmalig im Universitätsklinikum Jena (UKJ) durch Herrn Prof. Dr. med. Sven Koscienly, leitender Oberarzt der Klinik für HNO-Heilkunde, implantiert. Wir freuen uns, dass Prof. Dr. med. Sven Koscienly sich Zeit für uns genommen hat, um seine Erfahrungen aus der Praxis zu teilen.

mhg: Für welche Patienten ist die Versorgung mit Carina empfehlenswert?

vollimplantierbares Hörgerät Carina

Prof. Dr. med. Sven Koscienly: Zur Anwendung kommen teil-oder voll-implantierbare Mittelohr-Hörsysteme, wenn eine herkömmliche Versorgung mit Hörgeräten aus pathologischen (nässende Ohren) oder anatomischen Gründen (Gehörgangsverengungen, Exostosen) nicht möglich ist und der Hörverlust einer mittleren bis schweren Innenohrschwerhörigkeiten bzw. einer kombinierten Schwerhörigkeit entspricht. Auch motorische Beeinträchtigungen in der Feinmotorik oder soziale Aspekte können für eine Versorgung mit Carina sprechen.

mhg: Wie lange dauert die Operation zur Implantierung des Carina-Hörgerätes?

Prof. Dr. med. Sven Koscienly: Je nach Beschaffenheit des Gewebes und des Anbindungsortes der Gehörknöchelchenkette mit anschließender Funktionsprüfung kann eine Operation zwischen 1,5-4 Stunden dauern.

mhg: Werden die Kosten für Carina komplett von der Krankenkasse übernommen?

Qualifizierte Hörakustiker in Ihrer Nähe

Prof. Dr. med. Sven Koscienly: Die Kosten der Implantation von Carina belaufen sich auf ca. 16.000 EUR. Aufgrund der hohen Kosten gibt es keine Pauschalregelung zur Kostenübernahme der entsprechenden Krankenkasse und wird daher von dieser, für jeden einzelnen Patienten/ Versicherten individuell entschieden.

mhg: Wie erfolgt die Hörgeräte-Versorgung? Und wer übernimmt die Einstellung und Nachsorge der Hörgeräte?

Prof. Dr. med. Sven Koscienly: Jeden Mittwoch bieten wir bei uns im UKJ eine Spezialsprechstunde zu Mittelohr-Implantationen an und führen entsprechende Untersuchungen durch, um gemeinsam mit unseren Patienten die idealste Versorgung zu finden. Letztendlich entscheidet der Patient ob es zu einer OP mit Implantation eines Mittelohrimplantat-Systems kommt. Erst nach der vollständigen Wundheilung, erfolgt die Einstellung und später auch die Nachsorge der vollimplantierten Hörgeräte über eine kabellose Bluetooth-Programmierung in unserer Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie. Sicherlich kann die Einstellung und Nachsorge auch bei einem Hörakustiker gemacht werden, sofern dieser die dafür benötigte Zertifizierung und Ausstattung hat.

mhg: Vielen Dank für das Interview Herr Prof. Dr. Med. Sven Koscienly.

Bilder: Cochlear / UKJ