Studie überprüft Vererbung von Tinnitus

Veröffentlicht am 06.10.2017

Ist Tinnitus genetisch bedingt?

beidseitiger Tinnitus oftmals erblich bedingt

Auf der Suche nach der Ursache eines Tinnitus durchlaufen betroffene oftmals eine Odyssee von verschiedenen Untersuchungsmethoden und Therapieansätzen. Die meisten Ansätze gehen davon aus, dass der Tinnitus als Symptom durch ein bestimmtes Ereignis ausgelöst worden sein muss. Sei es aufgrund von Durchblutungsstörungen, zu lauter Musik, Schwerhörigkeit oder Stress – es gibt unzählige mögliche Auslöser.

Auch die Vererbung von Tinnitus wird schon länger diskutiert. Jedoch konnten bisher keine genetischen Beweise dafür gefunden werden. An der Charité-Universitätsmedizin Berlin untersuchte ein europäisches Forscherteam an Zwillingspaaren, wie hoch der genetische Einfluss von Tinnitus sei. Iris Maas kam mit ihrer Arbeitsgruppe spanischer, dänischer, schwedischer, norwegischer und deutscher Forscher zu folgendem Ergebnis: 49 Prozent der eineiigen Zwillinge wiesen einen beidseitigen Tinnitus auf, während bei zweieigen Zwillingen die Tinnituskonkordanz 30 Prozent betrug.

Beidseitiger Tinnitus oftmals erblich

beidseitiger Tinnitus oftmals erblich bedingt

Für die Untersuchung wählten die Wissenschaftler mono- und dizygote Zwillingspaare aus. Zunächst untersuchten sie die Wahrscheinlichkeit, wie oft der zweite Zwilling ebenso von einem Tinnitus betroffen ist. Aus mehr als 10.000 ein- und zweieiigen Zwillingspaaren konnte die Tinnitusprävalenz bei 14,9 Prozent ermittelt werden. Ein Wert, dem auch das allgemeine Vorkommen von Tinnitus in Deutschland entspricht.

Jedoch war das Vorkommen eines Tinnitus bei eineiige Zwillingen mit 32 Prozent höher als bei zweieiigen Zwillingen mit 20 Prozent. Auch ließ sich die Übereinstimmung zwischen einseitig wahrnehmbaren Tinnitus und beidseitigen Ohrgeräuschen differenzieren. Während der einseitige Tinnitus bei monocygote Zwillingen zu 25 Prozent auftrat, betrug er bei dizygoten Zwillingen 19 Prozent. Signifikant hingegen war das Vorkommen des beidseitigen Tinnitus, der bei eineiigen Geschwistern mit 49 Prozent deutlich höher, als bei zweieiigen mit 30 Prozent war.

Dass die Genetik an der Vererbung besonders bei einem beidseitigen Tinnitus beteiligt ist, liegt nahe. Welche Gene allerdings konkret betroffen sind, wird dabei nicht ausgesagt. Nach Ermittlungen der Wissenschaftler liegt der Grad einen Tinnitus zu erben bei einem Wert von 0,43. Ähnlich dem Erblichkeits-Wert von Depressionen, Parkinson oder Alzheimer. Dieser erhöht sich bei einem beidseitigem Tinnitus auf 0,56 und beträgt bei einseitigen Ohrgeräuschen 0,27.

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"Die genetische Prädisposition scheint demnach für die Entwicklung bestimmter Tinnitusformen wichtig zu sein, während nichtgenetische Faktoren bestimmen, ob sich die Disposition zum Tinnitus auswächst", erläutern Maas und ihre Mitarbeiter.

Erblicher Tinnitus – Hilfe durch Tinnitus-Noiser-Hörsysteme

Unerheblich ob erblich bedingt oder erworben – wer einen Tinnitus hat, möchte ihn oftmals schnell wieder loswerden. Hörakustiker bieten dazu Tinnitus-Noiser-Hörsysteme an, die den Tinnitus rehabilitieren können. Diese aktivieren wichtige Hörfilter und helfen, das Hören neu zu lernen. Für eine kostenlose und persönliche Beratung empfiehlt es sich vorab einen Termin mit einem Hörakustiker zu vereinbaren.

Quelle: Ärzte Zeitung online 
Bilder: pixabay