Anzahl Schwerhörige in Deutschland 2017

Veröffentlicht am 09.10.2017

Wie viele Schwerhörige gibt es in Deutschland? – Jetzt valide Zahlen vorhanden.

Studie der Jade Hochschule Oldenburg

Anteil Schwerhöriger 2017 in Deutschland

Auf der Suche nach einer konkreten Zahl zum Anteil der Schwerhörigen in Deutschland und wie sich der Versorgungsbedarf mittelfristig entwickelt, stößt man auf vielerlei Quellen und Angaben. Laut Deutschen Schwerhörigen Bund e.V. sind ca. 19% der Bevölkerung von einer Schwerhörigkeit betroffen. Die BARMER GEK hingegen gibt für 2016 einen vergleichsweise niedrigen Anteil mit lediglich 3,91% Betroffenen an. Die Ursache der großen Streuung sind in den unterschiedlichen Ermittlungsansätzen zur Validierung des Anteils an Schwerhörigen begründet. (Wir berichteten darüber: Schwerhörige in Deutschland 2016) International vergleichbar hingegen sind die Studienergebnisse zum ermittelten Anteil der Schwerhörigen in Deutschland vom Institut für Hörtechnik und Audiologie, der Jade Hochschule und Exzellenzcluster Hearing4all.

Aktuelle Studien – Anzahl der Schwerhörigen liegt bei 16%

Petra von Gablenz vom Institut für Hörtechnik und Audiologie der Jade Hochschule in Oldenburg fasst die Ergebnisse der Studie zusammen: „Ausgehend von unserer Bevölkerungsstatistik, sind in Deutschland nach unseren Ergebnissen 16,2% der Erwachsenen, also insgesamt 11,1 Millionen von einer Schwerhörigkeit betroffen. Bei Ausschluss von Kohorteneffekten lässt die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung einen jährlichen Zuwachs von 150.000-160.000 Schwerhörigen erwarten.“

Schwerhörigen-Anteil nach WHO-Kriterien 

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Für einen globalen Vergleich sind Auswertungen mit einem identischen Ermittlungsansatz nötig. Unter der Studienleitung von Petra von Gablenz und Prof. Inga Holube ermittelte das Institut für Hörtechnik und Audiologie, der Jade Hochschule und Exzellenzcluster Hearing4all, den Anteil erwachsener Schwerhöriger in Deutschland nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ergänzend dazu betrachtete die Studie ebenso die Prävalenz von Schwerhörigkeit in Abhängigkeit vom Alter, Geschlecht, Berufsbereich und Schulbildung, sowie beruflicher Lärmbelastung.

Als Grundlage der Studie dient der mittlere Luftleitungshörverlust, der bei 0,5, 1, 2 und 4 kHz („pure-tone average“, PTA-4) ermittelt wird. Überstieg dieser auf dem besseren Ohr einen Wert von 25 dB, wurde eine Schwerhörigkeit angenommen. Vereinfacht kann man sagen, dass nach diesem Ansatz Menschen mit einer sogenannten leichten Schwerhörigkeit bereits als schwerhörig gelten. Diese äußert sich in der Praxis in der eingeschränkten Wahrnehmung von Vogelgezwitscher oder in der Unterscheidung von Konsonanten wie f und s. Eine frühzeitige Versorgung mit Hörgeräten kann hier bereits sinnvoll sein.

Zwei unabhängige Studien zur Ermittlung des Anteils an Schwerhörigen

Alterststruktur Teilnehmer Hörstudie zur Ermittlung des Anteils an Schwerhörigen 2017

Altersverteilung der Studiengruppen Aalen und HÖRSTAT

Zwei unabhängige Studien untersuchten dabei den Hörstatus von Erwachsenen im Alter von 18 und 97 Jahren. Alle Studienteilnehmer wurden dabei per stratifiziertem Zufallsverfahren aus der Allgemeinbevölkerung ausgewählt. Trotz stärker erwarteter Teilnahme konnten die Ergebnisse aus 3.105 Studienteilnehmer aus Oldenburg, Emden und Aalen validiert werden.

Die in Norddeutschland durchgeführte Studie HÖRSTAT untersuchte den Hörstatus nach WHO-Kriterien an 1.866 Erwachsenen (darunter 1015 Frauen) aus Oldenburg und Emden. Allein aus den Ergebnissen der HÖRSTAT-Studie konnte ein Anteil von Schwerhörigen in Deutschland mit rund 16% ermittelt werden.

Unabhängig von der HÖRSTAT-Studie ermittelte Prof. Dr. Eckhard Hoffmann in der Studie „Wie hört Deutschland?“ den Hörstatus von 1239 Erwachsenen (darunter 645 Frauen) in Süddeutschland.

Petra von Gablenz: „Bei der Auswahl der Studienorte war uns besonders wichtig, möglichst viele epidemiologische Faktoren, wie Alter, Geschlecht, Berufsbereich und Schulbildung, sowie beruflicher Lärmbelastung in unserer Studie integriert zu wissen. Nur so können wir abschätzen, wieviel Schwerhörige es im Jahr 2025 geben wird.“

Valide Zahlen zum Anteil von Schwerhörigen in Deutschland

Beide Studien wurden im Anschluss miteinander verglichen und wiesen sehr gute Übereinstimmungen sowohl bei den Ergebnissen der 18- bis 25-Jährigen als auch der mittleren Hörverluste auf. Zu Streuungen kam es allerdings in der Gruppe der über 80-Jährigen.

Insgesamt konnte durch diese beiden Studien die Frage beantwortet werden, wie viele Schwerhörige es in Deutschland und anderswo tatsächlich gibt.

Weitere Informationen zum kostenlosen Download finden Sie in dem HÖRSTAT-Beitrag der Zeitschrift HNO: www.springermedizin.de/praevalenz-von-schwerhoerigkeit-in-nord-und-sueddeutschland

Bild: pixabay
Tabelle: Springer Verlag