Der Hörgerätehersteller Sonova kauft AudioNova

Veröffentlicht am 04.05.2016

Sonova-Audionova

Sonova kauft AudioNova

Der Schweizer Hörgerätehersteller Sonova, der in Deutschland Hörgeräte der Marken Phonak, Unitron und Hansaton vertreibt, hat das europäische Hörgeräteakustik-Unternehmen AudioNova mit insgesamt 1.300 Fachgeschäften in acht Ländern erworben. In Deutschland gehören die traditionsreichen Fachgeschäfte von Geers Hörakustik zur AudioNova Gruppe. Mit dieser Übernahme verfolgt Sonova den weiteren Ausbau eigener Retail-Aktivitäten. Die für die Transaktion notwendige Genehmigung der Regulierungsbehörden wird für die 2. Jahreshälfte erwartet.

Sonova baut sein Retailgeschäft weiter aus

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AudioNova ist in Europa mit über 1.300 Fachgeschäften in acht europäischen Ländern und mit über  2.750 Mitarbeitern, davon 1.600 Hörakustiker, vertreten. AudioNova erzielt derzeit einen Umsatz von 360 Millionen Euro. Bereits 2010 eroberte sich AudioNova durch den Kauf von Geers Hörakustik mit heute 525 Fachgeschäften auch einen festen Platz im deutschen Markt. Mit dem Erwerb dieser AudioNova Fachgeschäfte wäre der Hörgerätehersteller Sonova nun mit 705 Fachgeschäften sowie circa 14 % Marktanteil in Deutschland präsent und damit vor KIND Hörgeräte Marktführer im Hörgeräteakustik-Handel. 

Auf diese große Retail-Expertise wird Sonova weiter aufbauen, gibt Lukas Braunschweiler, CEO von Sonova, bekannt:

„Die Akquisition von AudioNova ist ein bedeutender Schritt bei der Umsetzung unserer Strategie, die gesamte Bandbreite an Hörlösungen zusammen mit professionellen audiologischen Dienstleistungen anzubieten. Diese tragen massgebend dazu bei, ein optimales Ergebnis für unsere Kunden zu erzielen. Ich bin überzeugt, dass die Kombination unserer gut etablierten und komplementären Retail-Netzwerke eine starke Basis für zukünftiges Wachstum darstellt.“

Dass beide Vertragsparteien voneinander profitieren und den Ausbau des Retailnetzwerkes forcieren, geht auch aus der Aussage von Frank van der Vis, CEO von AudioNova, hervor:

„Zu einem finanziell starken und sehr gut etablierten Unternehmen im Hörgeräte-Markt zu gehören, wird uns helfen, unsere Ziele weiterhin zu erreichen. Wir profitieren vom Know-How und vom Zugang zu hochmodernen Technologien sowie von der finanziellen Stärke. So können wir unser Wachstumspotenzial optimal ausschöpfen. Unsere Kunden, unsere Mitarbeitenden und unsere Partner profitieren gleichermassen – deshalb freue ich mich sehr darauf, die Transaktion abzuschliessen.“ 

Sonova AG konzentriert sich auf Endkunden

Sonova scheint in Einkaufslaune zu sein. Erst im Frühjahr letzten Jahres übernahm Sonova den Hersteller Hansaton. Gleichzeitig wurden zu dieser Zeit die Beteiligungen an mehr als 100 Fachgeschäften in Deutschland bekannt gegeben. Bereits damals ging ein Ruck durch den deutschen Hörgerätemarkt, galt bis dahin doch eine Vereinbarung zwischen Herstellern und Hörakustikern, den Verkauf der Hörgeräte fest in der Hand der Hörgeräteakustiker zu belassen. Diesem "Erlanger Abkommen" aus dem Jahr 1960 zwischen dem Zentralverband Deutscher Hörmittefachinstitute (einer Vorläuferorganisation des heutigen Fachverbandes Deutscher Hörgeräteakustiker e. V.) und dem Hörgerätehersteller Siemens, der zu dieser Zeit eigene Fachgeschäfte eröffnen wollte, folgten die anderen Hersteller. Dieses Modell war bis zum letzten Jahr in Deutschland fest etabliert. Details zu diesem Abkommen finden sich der Ausgabe 168 der AudioInfos aus dem April 2015.

Mit der Übernahme von AudioNova baut Sonova nun seinen Direktvertrieb abermals weiter aus und verfügt über mehr als 700 Fachgeschäfte in Deutschland. Das Unternehmen kann dadurch eigene Hörgeräte natürlich marktgerecht direkt an eigene Endkunden verkaufen, den Vertrieb und die Anpassung weiter optimieren und die Entwicklung der Hörgeräte daran anpassen - die wesentlichen Vorteile einer horizontalen Diversifizierung. Aus Sicht eines niedergelassenen Hörakustikers, der ebenfalls Produkte von Sonova verkauft, stellt sich nun allerdings die Frage, welchen Stellenwert die Produkte des Konzerns im eigenen Sortiment haben werden.

Erst im April diesen Jahres kaufte das Unternehmen bereits den Spezialhersteller Bruckhoff Hörbrillen aus Hannover und vervollständigte somit sein Produktportfolio um die Segmente Hörbrille und Baha.

AudioNova Kaufpreis überzogen?

Nach dem Bekanntwerden der Übernahme äußerten sich Analysten, der Kaufpreis sei zu hoch. 830 Millionen entspricht dem 2,3-fachen des gesamten Jahresumsatzes der AudioNova-Fachgeschäfte. Fast doppelt so viel wie es in der Branche mitweilen üblich ist. "Das 2,3-fache des Umsatzes ist bei einer guten Rentabilität und dieser Grösse nicht schlecht", entgegnet der Sonova-CEO Lukas Braunschweiler. Zudem waren ja bekannterweise auch noch andere Unternehmen, Hersteller wie Investoren, beim Bieterverfahren im Rennen. Zudem rechnet Sonova mit Synergien im Vertrieb und Marketing, mit einer Umstellung der Portfolios in den Geschäften sowie natürlich mit günstigen Konditionen für den "Einkauf" der Hörgeräte. Und das in einem Markt, der pro Jahr durchschnittlich 3 bis 5 % wächst. Alles in allem sind die Anleger der AG von diesem Geschäft begeistert. Zusammen mit den guten Zahlen zum Jahresabschluss Ende März entwickelte sich der Aktienkurs sehr positiv und konnte sich aus dem 19-Monate-Tief befreien.

Bundeskartellamt könnte Sonova einen Strich durch die Rechnung machen

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Wie erwähnt muss die Transaktion noch durch die zuständigen Regulierungsbehörden geprüft werden. Sonova gab in seiner Mitteilung bekannt, dass die Genehmigung für die 2. Hälfte dieses Jahres erwartet wird. Einem Bericht von handelszeitung.ch zufolge war die Übernahme noch nicht zur Fusionskontrolle beim Bundeskartellamt angemeldet. Das bestätigte ein Sprecher des Bundeskartellamts. Dieses wird bei entsprechender Anmeldung prüfen, ob durch die Übernahme ein Oligopol in Deutschland entstehen könnte. Bei einem Oligopol stehen viele Nachfrager wenigen Anbietern gegenüber. Mit der Transaktion würde Sonova über circa 14 % Marktanteil auf Handelsebene verfügen. Inwieweit das Bundeskartellamt die starke Marktposition von Sonova als Hersteller in die Abwägung einer Oligopol-Stellung einbezieht, ist fraglich. Der Sonova-CEO Lukas Braunschweiler rechnet dennoch mit einer kurzfristigen Zustimmung. Bereits 2007 hatten die deutschen Kartellwächter die 2006 angekündigte Übernahme des Herstellers GN ReSound durch Sonova (damals Phonak) untersagt. Neben dem Bundeskartellamt müssen noch die Wettbewerbsbehörden in den Niederlanden und in Polen dem Zukauf zustimmen.

Zur offiziellen Pressemitteilung: Sonova gibt Vereinbarung zur Übernahme von AudioNova bekannt

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