Der Weltraum – unendliche Hörweiten

Veröffentlicht am 05.06.2018

Der Beginn der deutschen Raumfahrtgeschichte

Bereits 1978 ist Sigmund Jähn als erster deutscher Kosmonaut zu seiner Mission ins Weltall aufgebrochen. Eines seiner Experimente war die Auswirkungen des Sprechvermögens in der Schwerelosigkeit. Zudem überprüfte er die Hörempfindlichkeit der Stammbesatzung der Raumstation Mir. Möglicherweise war er also der erste Hörakustiker im All. Viele Menschen, die an den Weltraum denken, meinen es sei still in der unendlichen Weite des Raums. Doch weit gefehlt.

Gerst zum Ersten und zum Zweiten

Hörgerätetechnik ist keine Raketenwissenschaft

Am 06.06.2018 macht sich Alexander Gerst zum zweiten Mal auf den Weg zur ISS. Der Astronaut der in Künzelsau geboren und aufgewachsen ist, wurde 2014, nach seinem ersten Flug ins All, völlig verdient zum Ehrenbürger ernannt. Nicht dass der studierte Geophysiker sich dagegen hätte wehren können, denn er befand sich zum Zeitpunkt der Ernennung noch im Regenerationszentrum der NASA. Seine Erkenntnisse zum Verhalten von Gegenständen in der Schwerelosigkeit, hatte er 2014 auch in Interviews per Livechat direkt von der ISS präsentiert. Während des Interviews konnte der geneigte Zuhörer bereits einen kleinen Eindruck gewinnen, wie geräuschvoll eine Raumstation ist.

Die starke Gehörbelastung der Astronauten

Bei Raumfahrten wird das Gehör der Astronauten sehr hohen Lärmpegeln in allen Bereichen der Raumstation ausgesetzt. Wer nun vermutet, zumindest bei Außeneinsätzen müsste es, bis auf das entfernte Piepen der Satelliten, still sein, wird auch hier enttäuscht. Die Technik in den Raumanzügen, die für die Sauerstoffversorgung zuständig ist, sorgt für geräuschvolle Untermalung. In der Schlafkabine der Besatzung, einem der ruhigsten Orte der Station, herrscht ein konstanter Lautstärkepegel von bis zu 65 dB, was fast so laut ist wie ein Staubsauger, oder eine Nähmaschine. Um dieser ununterbrochen starken Belastung entgegen zu wirken und um das Gehör zu schützen, tragen alle Besatzungsmitglieder individuelle Otoplastiken.

So klingen die unendlichen Weiten des Alls

Otoplastik ist keine Rocket Science

Die Gefahr einer Hörminderung bei Astronauten ist durch den anhaltenden Lärm so hoch, dass sie den Gehörschutz nicht nur, wie von der Raumfahrtbehörde gefordert, während der drei bis vier Stunden Ruhezeit tragen, sondern tatsächlich durchgängig während der kompletten Mission. Natürlich ist dafür ein perfekter und individuell, komfortabler Sitz die wichtigste Voraussetzung. Die hierfür verwendete Technik ist keine Rocket Science und findet sich bei jedem Hörakustiker der Otoplastiken anfertigt. Mit dieser Technik wird die Geräuschbelastung auf 20 – 30 dB reduziert, wodurch der Raumfahrer merklich entlastet wird.

Selbst Astronaut sein, jetzt hier und sofort

Der durchschnittliche Mensch hat nun tatsächlich eher selten die Möglichkeit sich mit eigenen Ohren ein Bild über die akustische Wirklichkeit auf der ISS zu machen. Auch wenn wir alle irgendwann mal selbst Astronaut sein wollten (Sorry an dieser Stelle, falls es eher in Richtung Tierärztin oder Feuerwehrmann ging), so haben nur die Wenigsten selbst die Chance hinter „the final frontier“ zu hören. Deshalb ist es umso interessanter, dass der Astronaut Chris Hadfield von seiner letzten Mission auf der ISS ein Stück akustischen Weltraum mitgebracht hat, den er jetzt mit uns teilt. Damit können wir uns alle ein wenig mehr wie Alexander Gerst fühlen, ganz ohne Rocket Science.