Fördergelder in Millionenhöhe für Hörforschung

Fördergelder in Millionenhöhe für Hörforschung

Universität Oldenburg forscht weiter

Der Sonderforschungsbereich (SFB) „Hörakustik“ der Oldenburger Carl von Ossietzky-Universität kann sich über weitere Forschungsgelder freuen. Das SFB-Team forscht an verschiedenen Lösungen mit dem Ziel „intelligenter Hörgeräte, die sich an ihre Nutzerinnen und Nutzer anpassen“. Das Projekt startet in diesem Jahr in die zweite Phase und bekam weitere Forschungsgelder in Höhe von bis zu 8,1 Millionen Euro seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zugesagt.

Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder: „In unserer alternden Gesellschaft wird es immer drängender, Hörgeräte und andere Kommunikationshilfen zu entwickeln, die auch in schwierigen akustischen Umgebungen funktionieren und im täglichen Leben wirklich weiterhelfen. Die Oldenburger Hörforschung leistet hervorragende Arbeit und ist national wie international hoch anerkannt. Die erneute Förderzusage der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstreicht dies eindrucksvoll“

Phänomen "akustische Kommunikationsschleife" bisher kaum beachtet

Bereits in der ersten Förderungsperiode stand insbesondere die Wechselwirkung zwischen Menschen mit eingeschränktem Gehör und ihrer akustischen Umgebung im Fokus. Der Oldenburger Hörforscher Prof. Dr. Volker Hohmann erklärte den Forschungsansatz folgendermaßen: „In der Realität verändert sich eine Hörsituation ständig, weil Menschen auf Stimmen und Geräusche reagieren. Sie wenden zum Beispiel ihren Kopf zur Schallquelle oder bewegen ihre Augen. Wir bezeichnen das als ‚akustische Kommunikationsschleife‘“. Genau diese Kommunikationsschleife wurde in der Vergangenheit kaum berücksichtigt.

Das Team hat in seiner jahrelangen Arbeit versucht, das Hörgerät in diese Kommunikationsschleife einzubetten. Das Ergebnis ist ein erstes „immersives Hörgerät“, welches laufend die aktuelle Hörsituation prüft und abschätzt, auf welche Schallquelle das die Versuchsperson seine Aufmerksamkeit richtet. Dabei misst das Gerät die Blickrichtung und Kopfbewegung und passt dahingehend die Signalverarbeitung an, um die Schallquelle optimal verstehen zu können. Der entwickelte Prototyp wird bereits in Feldversuchen eingesetzt.

In virtuellen audiovisuellen Szenen wie dieser scannen Kameras die Kopf- und Augenbewegungen. Das Ziel: Die Hörgeräte sollen in Zukunft anhand der Kopfbewegungen und der Richtung, aus der der Schall kommt, schneller und effizienter auf die Geräuschquellen reagieren können.

Hearpiece: neuer Forschungs-Ohrhörer

Ein weiteres wichtiges Forschungsprojekt der ersten Förderungsperiode ist das „Hearpiece“. Dabei handelt es ich um einen Ohrhörer für die Forschung. Mittels mehrerer Mikrofone und Lautsprechern kann das im Ohr platzierte Gerät Schall genauso gut wie ein Hörgerät verstärken. Das Gerät wird beispielsweise zum Testen neuer Algorithmen für die Signalverarbeitung direkt im Ohr verwendet.

Besonders ist hierbei, dass das „Hearpiece“ akustisch transparent ist. Das Hören mit dem Gerät entspricht dem normalen Hören mit offenem Ohr. Mithilfe dessen können Methoden der Akustik und der Signalverarbeitung verbunden werden. Erste große Fortschritte konnten bereits erzielt werden, so Hohmann.

Das SFB-Team arbeitet außerdem daran, internationale Standards für akustische Szenen in der Hörforschung und Audiologie zu etablieren, um einen besseren Austausch zwischen Laboren weltweit zu entwickeln.

Ein weiteres Ziel der zweiten Forschungsperiode ist es, die Wahrnehmungsmodelle, Algorithmen und Anwendungen weiterzuentwickeln und zusammenzuführen. So soll für das „Hearpiece“ eine aktive Geräuschkontrolle zu entwickeln. Hierbei können die Forscher auf neuste, selbst entwickelte KI-Verfahren zurückgreifen. Langfristig soll das Hörgerät dazulernen und besser vorhersehen, welche Einstellungen für die aktuelle Situation optimal ist.


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Quellen: 

https://idw-online.de/de/news794532

https://www.presse.uni-oldenburg.de/mit/2022/fotos/106_Hoerakustik_GestureLab.jpg


Tags:
Forschung