Interview: Jan Feldeisen und Frank Pelzer zum verkürzten Versorgungsweg bei Auric

Veröffentlicht am 20.03.2019 - weitere Artikel von meinhoergeraet.de
Interview: Jan Feldeisen und Frank Pelzer zum verkürzten Versorgungsweg bei Auric

Verkürzter Versorgungsweg-im Gespräch mit auric-direct.de

Der am 1. Dezember 2018 in Kraft getretene vdek-Vertrag zum verkürzten Versorgungsweg, und damit der Hörgeräteversorgung durch einen HNO-Arzt, stellt für viele Marktteilnehmer eine bedarfsgerechte und zudem qualitativ hochwertige Versorgung mit Hörsystemen in Frage. Darüber hinaus wird die aufzahlungsfreie Versorgung aus Sicht der Krankenkasse gerade aufgrund der geänderten Festbetragsregelung und der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) zum unmittelbaren Behinderungsausgleich bei der HG-Versorgung angestrebt.

Kann in der HNO-Praxis damit überhaupt die Abgabequalität von Hörsystemen wie beim klassischen Versorgungsweg durch den Hörakustiker erreicht werden? Und ist es in Zeiten überfüllter Wartezimmer überhaupt möglich, eine oftmals beratungs- und betreuungsintensive Hörgeräteversorgung beim HNO-Arzt zum Patientenwohl umzusetzen? Wir fragen bei Jan Feldeisen, einer der drei Geschäftsführer von auric-direct.de und Frank Pelzer, Justiziar des Unternehmens auric-Hörsysteme, nach.

Das Interview

Im Interview: Jan Feldeisen, Geschäftsführer bei auric-direct.de 

meinhoergeraet.de:  Herr Feldeisen, im verkürzten Versorgungsweg werden ja hauptsächlich zuzahlungsfreie Hörgeräteversorgungen angestrebt. Wie verhält es sich mit den zuzahlungspflichtigen Hörgeräten und in dieser Hinsicht auch die Entwicklung von bedarfsgerechten Hörgeräteversorgungen?

Jan Feldeisen: Zunächst einmal ist es zutreffend, dass Hörgeräteversorgungen im Verkürzten Versorgungsweg einen wesentlich höheren aufzahlungsfreien Anteil aufweisen als Hörgeräteversorgungen in einem Hörakustikfachgeschäft vor Ort. Das ist ein großer Vorteil unseres Versorgungskonzeptes für den Kunden, zumal er bei uns aufzahlungsfreie Hörgeräte erhalten kann, für die er im Hörakustikfachgeschäft noch regelmäßig zuzahlen muss.

Zudem freut uns sehr, dass wir den Kunden aktuell bei der aufzahlungsfreien Hörgeräteversorgung sogar staubdichte und wasserdichte Hörgeräte der Schutzklasse IP67 anbieten können. Dadurch haben Hörgeräteträger wesentliche Vorteile bei der täglichen Nutzung Ihrer Hörhilfen, und Reparaturen der Hörgerätetechnik wegen Verschmutzungen oder Feuchtigkeit können vermieden werden.

Den Kunden, die ihre Hörgeräte über den Verkürzten Versorgungsweg erhalten, steht ein großes Sortiment an Hinter-dem-Ohr- und Im-Ohr-Hörgeräten in diversen Standardfarben zur Verfügung. Dabei sind mindestens fünf aufzahlungsfreie Hörgerätetypen verschiedener Hersteller erhältlich.

Der Kunde kann bei uns im Rahmen der vergleichenden Anpassung natürlich auch aufzahlungspflichtige Hörgeräte testen und diese dann zu vergleichsweise sehr preiswerten Konditionen erhalten.

Wir halten sowohl bei der aufzahlungsfreien als auch der aufzahlungspflichtigen Hörgeräteversorgung die Produkte aller großen und bekannten Hörgerätehersteller vor.

Im Hinblick auf die bedarfsgerechte Hörgeräteversorgung lässt sich festhalten, dass die aufzahlungsfreie Hörgeräteversorgung die individuelle Hörminderung des Patienten im Rahmen des unmittelbaren Behinderungsausgleichs bestmöglich auszugleichen vermag und dabei - soweit möglich - ein Sprachverstehen bei Umgebungsgeräuschen und größeren Personengruppen erreicht. Für Bedienkomfort beziehungsweise ästhetische Merkmale oder Streamingfunktionen sind vom Kunden allerdings Aufzahlungen erforderlich.

meinhoergeraet.de: Kritiker führen an, in Zeiten überfüllter Wartezimmer sei die oft beratungs- und betreuungsintensive Hörgeräteversorgung beim HNO-Arzt nur bedingt durchführbar…

Jan Feldeisen: Bundesweit nehmen am Verkürzten Versorgungsweg bereits mehr als 300 HNO-Arztpraxen teil. Die von uns regelmäßig durchgeführten Patientenbefragungen belegen eine hohe Zufriedenheit der Patienten und bestätigen die Qualität der arbeitsteiligen Hörgeräteversorgung im Verkürzten Versorgungsweg. HNO-Ärzte, die mit unserem Unternehmen auf dem Verkürzten Versorgungsweg arbeiten, stellen sicher, dass der Versicherte während der gesamten Sprechzeiten Leistungen nach dem Versorgungsvertrag, insbesondere im Rahmen der Nachsorge, in Anspruch nehmen kann. Ich vermute, dass die von Ihnen genannten Kritiker wohl aus den Reihen der Hörakustikfachgeschäfte stammen, da sieht man uns als Wettbewerber natürlich nicht so gerne. 

meinhoergeraet.de: Welchen Mehrwert bietet der verkürzte Versorgungsweg, finanziell und zeitlich betrachtet, letztendlich für den HNO-Arzt?

Qualitätsabfrage 4-6 Wochen nach Versorgungsabschluss, 740 Antworten, Zeitraum der Abfrage Mai bis Dezember 2018 
©auric-direct.de

Jan Feldeisen: Einen Mehrwert bietet der Verkürzte Versorgungsweg vorrangig dem Patienten, der seine Hörgeräteversorgung hier kostengünstiger und zugleich qualitativ hochwertig erhalten kann. Die Kombination der medizinischen und audiologischen Begleitung durch den HNO-Arzt beziehungsweise durch den Akustiker über den gesamten Versorgungszeitraum sichert dem Patienten eine ganzheitliche Betreuung seines Hörverlustes.

Dem HNO-Arzt bietet der Verkürzte Versorgungsweg den Vorteil, dass er sich seine Kompetenz im Bereich der Hörgeräteversorgung erhält und auch bei Folgeversorgungen von Beginn an eingebunden wird.

Für seine ärztlichen Leistungen erhält der HNO-Arzt von der Krankenkasse ein angemessenes außerbudgetäres Honorar. Dafür steht er dem Patienten über den gesamten Versorgungszeitraum und die Nutzungsdauer der Hörhilfen als Ansprechpartner neben unserem Unternehmen zur Verfügung. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass sich die Patienten bei diesem arbeitsteiligen Versorgungskonzept durch die Mitwirkung des HNO-Arztes ihres Vertrauens sehr gut aufgehoben fühlen.

meinhoergeraet.de: Und welchen Mehrwert sieht auric-direct.de aus der Sicht des Hörakustikers?

Frank Pelzer: Mit dem Verkürzten Versorgungsweg bieten wir dem Patienten eine innovative Form der Hörgeräteversorgung, welche Zeit, Wege und auch Geld spart. Die aktuellen Entwicklungen auf dem Hörgerätemarkt belegen aus unserer Sicht den Bedarf, die Hörgeräteversorgung zu modernisieren, da Hersteller dazu übergehen, Ihre Hörgeräte per App fernbedienbar und fernprogrammierbar zu gestalten. Für unser Versorgungskonzept bietet es sich daher an, unser modernes Online-Hörgeräteanpassungskonzept durch die Abgabe auch dieser neuesten Hörgerätegeneration zu erweitern und somit auf Kundenwünsche ganz zeitnah und ortsungebunden einzugehen.

Frank Pelzer, Justiziar des Unternehmens auric-Hörsysteme 

Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass ein monopolistisch geprägter Hörgerätemarkt für den Endverbraucher im Hinblick auf die Kosten seiner Hörgeräteversorgung langfristig Nachteile haben wird. Daher setzten wir uns als Anbieter des Verkürzten Versorgungswegs für Preistransparenz, Anbietervielfalt und einen fairen Wettbewerb ein.

Das Bundeskartellamt hat den Verkürzten Versorgungsweg im Jahr 2011 eindrucksvoll unterstützt und ihn ebenfalls aus Wettbewerbsgründen zugunsten der Endverbraucher sehr befürwortet. Das Amt war aufgrund kartellrechtswidriger Angebote zulasten des Verkürzten Versorgungsweges eingeschritten, und sein Präsident hatte in einer zugehörigen Presseinformation mitgeteilt: „Die Entscheidung war notwendig, um alternativen Hörgeräteanbietern den Zugang zum Absatzmarkt zu sichern und den Wettbewerb zugunsten der Krankenkassen und der gesetzlich versicherten Patienten zu beleben. Hier besteht ein erhebliches Einsparpotential.”

meinhoergeraet.de: Welche systemischen Voraussetzungen muss aus ihrer Sicht ein Hörakustiker vor Ort treffen, um den verkürzten Versorgungsweg anbieten zu können und wie sind sie konkret aufgestellt?

Jan Feldeisen: Die Art und der Umfang der Leistungen, welche bei einer Hörgeräteversorgung über den Verkürzten Versorgungsweg erbracht werden, ergeben sich sehr detailliert aus den zugrundeliegenden Verträgen mit den Krankenkassen. Hierbei ist insgesamt ein sehr hoher technischer und personeller Aufwand erforderlich.

Ob allerdings jemals ein Hörakustiker vor Ort die systemischen Voraussetzungen schafft, um den Verkürzten Versorgungsweg anbieten zu können, erscheint uns angesichts der einseitig fortgeführten standespolitischen Diskussionen eher fraglich. Der Hörakustiker vor Ort sieht den Verkürzten Versorgungsweg als Konkurrenz zu seinem Versorgungskonzept.

Unser Unternehmen bietet den Verkürzten Versorgungsweg bereits seit dem Jahr 1996 an und hat mehr als 220.000 Hörgeräteversorgungen durchgeführt. Aktuell sind wir bundesweit der größte Anbieter.

Ein wichtiger Nachweis für die Leistungsfähigkeit unseres Online-Anpasskonzeptes ist die gemeinsame Entwicklung des auric-Remote-Fitting-System (aRFS) mit der Medizinischen Hochschule Hannover, dass die wohnortnahe Nachsorge von Hörimplantat-Trägern über eine gesicherte Fernverbindung ermöglicht.

Dieses aRFS basiert auf unserem Anpasskonzept für konventionelle Hörgeräte und hat unter der Bezeichnung "Remote-Care" den 6. Niedersächsischen Gesundheitspreis 2016 in der Kategorie "eHealth-Lösungen für eine bessere Gesundheitsvorsorge“ gewonnen. Auch der European Innovation Impact Award 2017 ist an das Projekt "Remote-Care" von auric Hörsysteme verliehen worden.

meinhoergeraet.de: Was denken Sie wie groß das Potential (Hörgeräte-Absatz, teilnehmende Hörakustiker und HNO-Ärzten) insgesamt ist? Und welche Flächendeckung wollen Sie bis Ende des Jahres erreichen?

Jan Feldeisen: Das müssen wir abwarten, aber es ist klar, dass der Verkürzte Versorgungsweg enormes Potenzial hat.

meinhoergeraet.de:  Vielen Dank Herr Feldeisen und Herr Pelzer für das Interview.


Ihr Autor: Bianca Volke

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Hintergrund BVMed und Initiative verkürzter Versorgungsweg, wie hängts zusammen: 

Der Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BVMed) ist ein Wirtschaftsverband mit Sitz in Berlin. Er fördert und vertritt die Interessen von mehr als 220 Industrie- und Handelsunternehmen der Medizintechnologie-Branche gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit. Den Mitgliedern des BVMed werden in zahlreichen Arbeitskreisen, Fachbereichen und Projektgruppen Plattformen zum Dialog und Austausch geboten. Dabei wirkt der BVMed bei der Gestaltung von Gesetzen, Richtlinien und Standards für Medizinprodukte mit. Aus dem Fachbereich „Verkürzter Versorgungsweg“, in dem auch das Unternehmen auric engagiert ist, ging die Qualitätsinitiative Verkürzter Versorgungsweg (QVV) hervor, die sich für eine qualitätsgesicherte Alternative zum klassischen Absatzweg von Hörsystemen einsetzt.

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