Krankenkassen zahlen immer mehr für Hörgeräte

Krankenkassen zahlen immer mehr für Hörgeräte

GKF: Ausgaben der Krankenkassen steigen weiter

2021 haben die Krankenkassen insgesamt 285 Milliarden Euro ausgegeben. 7,1 Prozent davon, also 20,2 Milliarden Euro, galten den Heil- und Hilfsmitteln, die sich wiederum in etwa gleiche Teile aufspalten lassen. Die Hilfsmittel im Speziellen, zu welchen auch Hörgeräte zählen, machten also rund 10 Milliarden Euro aus. Und die Ausgaben steigen: 2019 waren es noch 8,6 Milliarden Euro. Das teilte vor kurzem auch der GKV-Spitzenverband mit.

Heilmittel, Hilfsmittel, was ist was?

Unter Heilmitteln versteht man medizinische, nicht medikamentöse Behandlungen, die äußerlich angewendet werden, sprich: Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und ähnliches.

Hilfsmittel hingegen sind Produkte, die kranken, behinderten oder pflegebedürftigen Menschen dabei helfen, im Alltag besser zurechtzukommen. Also zum Beispiel Brillen, Prothesen, Rollstühle, Spritzen – und Hörgeräte.

Ausgaben für Hörgeräte steigen

Die Ausgaben der Krankenkassen für Heil- und Hilfsmittel steigen gleichermaßen stetig.

Quelle: vdek

Hörhilfen machen unter den Heil- und Hilfsmitteln etwa 6 Prozent aus. Krankenkassen haben demnach 2021 rund 1,2 Milliarden Euro für Hörgeräte und anderweitige Hörhilfen ausgegeben. Vergleicht man die Zahlen mit 2019 – damals betrugen die Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel 17,7 Milliarden Euro und für Hörgeräte etwa 1,06 Milliarde Euro – sind die Ausgaben für Hörgeräte seitdem um rund 150 Millionen Euro gestiegen.

Auch private Zusatzkosten steigen

Doch nicht nur die Ausgaben der Krankenkassen steigen. Jeder fünfte trägt Bei Hilfsmitteln selbst zusätzliche Kosten und auch diese sind gestiegen. 2019 waren es durchschnittlich noch 118 Euro, 2021 waren es bereits 136 Euro. Selbst zu zahlende Mehrkosten werden fällig, wenn Patienten ein Hilfsmittel wählen, das über die von den Krankenkassen als medizinisch notwendig definierte Ausstattung hinausgeht. Bei Hörgeräten ist das der Fall, wenn der Preis die Kassenleistung von etwa 700 Euro pro Ohr übersteigt, weil es mehr Funktionen hat, schöner aussieht oder technologisch hochwertiger ist.

Was private Zusatzkosten angeht sind Hörgeräte die Spitzenreiter unter den Hilfsmitteln: Für die beidseitige Hörgeräteversorgung zahlten diejenigen, die Mehrkosten selbst übernahmen, durchschnittlich rund 1.339 Euro aus eigener Tasche.

Krankenkassen geben immer mehr Geld für Hilfsmittel aus. Das hört sich zunächst einmal nach einer guten Nachricht für die PatientInnen an. Setzt man jedoch den Anstieg der durchschnittlichen Mehrkosten, die die PatientInnen selbst tragen, dazu in Relation, fällt auf: Während die Ausgaben der Krankenkassen seit 2019 um 12,4 Prozent gestiegen sind, sind die Mehrkosten um 15,3 Prozent gestiegen. Ein Grund für den allgemeinen Anstieg der Aufgaben fürs deutsche Gesundheitswesen ist in der demografischen Entwicklung zu finden. Für die steigenden privaten Mehrkosten kann zumindest zum Teil sicher auch die Corona-Pandemie verantwortlich gemacht werden.


Zum Weiterlesen:

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Quellen:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/136151/CDU-Politiker-Hennrich-wechselt-zum-Bundesverband-der-Arzneimittelhersteller

https://www.gesundheitsinformation.de/heilmittel-und-hilfsmittel.html#:~:text=Heilmittel%20und%20Hilfsmittel%20sind%20Behandlungen,den%20gesetzlichen%20Krankenkassen%20bezahlt%20werden

https://www.aok-bv.de/hintergrund/zahlen-fakten/#heil-hilfsmittel

https://www.aok-bv.de/imperia/md/aokbv/aok/zahlen/heil_hilfsmittel/heilmittel_struktur_gkv_2020.jpg

https://www.aok-bv.de/aok/zahlen/index_22887.html

https://www.vdek.com/presse/daten/d_ausgaben_heil_hilfsmittel.html


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