Pandemie: Umsatzrückgang und Entwicklung 2020

Pandemie: Umsatzrückgang und Entwicklung 2020

Ergebnisse der Umfrage über Pandemie-Folgen

Unsere Umfrage, die wir Anfang April unter Hörakustiker*innen in Deutschland durchgeführt haben, zeigt, dass die Covid 19-Pandemie deutliche Spuren hinterlassen hat und noch wird. Vor allem trübt sich die Umsatzerwartung für die kommenden Monate und damit für das Gesamtjahr deutlich ein.

Sinkende Umsätze, eingetrübte Stimmung, neue Services

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Adhoc-Maßnahmen der Fachbetriebe

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Öffnungszeiten während des Lockdowns

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Unternehmenssicherung

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Umsatzeinfluss März

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erwarteter Einfluss April bis Juni

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Umsatzeinfluss 2020

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Liquiditätsbrücke

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Markterwartung 2021

Ungenügende staatliche Maßnahmen

In den Augen einiger Hörakustiker*innen hätte die Unterstützung durch den Staat, die Handwerkskammern und Verbände von Beginn an intensiver sein können: Welche Regeln gelten? Welche Programme und Maßnahmen sind für die spezifische Situation in der Hörakustik zutreffend? Zudem wurde immer wieder bemängelt, dass sich viele Endkunden unsicher waren, ob Hörakustiker-Betriebe in Zeiten der Krise überhaupt geöffnet hätten.

Ein weiterer Faktor: Die Einhaltung der Hygienestandards. Gerade die Anpassung der Hörgeräte stünde durch den sehr geringen Abstand zum Kunden demnach unter erhöhtem Gefahrenpotential. Geeignete Hygienemaßnahmen wie Masken, Desinfektionsmittel oder Spuckschutze seien für einen systemrelevanten Beruf wünschenswert und auch notwendig, aber nicht zur Genüge gewährleistet gewesen.

Um demnach einerseits die Infektionsgefahr gering zu halten und andererseits dem Kunden dennoch bestmöglichen Service ermöglichen zu können, haben die Hörakustiker-Betriebe Strategien entwickelt: Alle der Befragten boten den unkomplizierten Versand von Batterien und Zubehör an. Knapp die Hälfte realisierte einen Hol- und Bringdienst für Reparaturen und Reinigung. Zwei Drittel der Hörakustiker bot eine Telefon-Hotline an, ein Drittel setzte sogar vermehrt auf die Verwendung von Teleaudiologie.

Derzeitige wirtschaftliche Auswirkungen

Auch auf die Öffnungszeiten der Fachgeschäfte wirkte sich die Pandemie natürlich aus. Während zwar gut ein Drittel der Befragten regulär geöffnet hatten, war knapp die Hälfte lediglich 30 % bis 70 % zu den regulären Zeiten geöffnet. Ein Zehntel des Fachhandels öffnete die Türen nur für Notfälle.

Der wirtschaftliche Negativeinfluss ist mittlerweile nicht mehr zu leugnen: Beinahe die Hälfte der Betriebe sahen sich gezwungen, Kurzarbeit zu beantragen; bei vielen wurde sie bereits eingeführt. Zumindest 37 % der Befragten profitieren bereits von der staatlichen Soforthilfe.

Bescheidene Prognose für die nächsten Monate

Immerhin positiv zeichnete sich aus, dass gut knapp 40 % der Betriebe im März eher geringe Umsatzeinbußen zu verbuchen hatten: Aktuell laufende Anpassung und anstehende Folgeversorgungen sicherten vielerorts den Umsatz im März und April fernab von Batterien und Zubehör.

Dennoch gab die andere Hälfte an, mindestens 50 % weniger umzusetzen. Der subjektiven Prognose der Betriebe zufolge muss mit weiteren Defiziten über die nächsten Monate gerechnet werden. Insbesondere den Mai stuften viele als kritisch ein. Danach sei laut der Befragung "das Gröbste" überwunden. Die aktuellen Lockerungen lassen Hoffnung aufkommen. Vielerorts kehrt man zu regulären Öffnungszeiten zurück.

Das ganze Jahr 2020 betrachtend, wird der Umsatz den meisten Hörakustiker*innen zufolge im Gegensatz zu vorherigen Jahren um 25 bis 50 % sinken.

Hilfe für die Unternehmen

Im Falle weiterer Beschränkungen und im schlimmsten Fall der zeitweisen Schließung der Fachbetriebe, seien je nach Dauer dringend weitere Hilfsmaßnahmen seitens der Regierung erforderlich. Die Hälfte aller Betriebe würden nach zwei bis drei Monaten der Schließung in schwerwiegende finanzielle Probleme geraten. Die Hörakustiker wünschen sich daher in erster Linie weitere und vor allem möglichst unbürokratisch anforderbare finanzielle Unterstützung. Auch Steuersenkung bzw. -erlass sei zunächst hilfreich. Ein weiterer Ansatz ist, den Hörakustikern zumindest ein Hilfepaket für Werbung zu ermöglichen, um die Kunden weiterhin gezielt auf sich aufmerksam machen zu können.

Marktentwicklung 2021

Die weitere Entwicklung des Hörakustik-Markts im kommenden Jahr wird im Durchschnitt als positiv bewertet. Im Vergleich zu einer Einschätzung des aktuellen Jahres trübt sich die Stimmung erwartungsgemäß deutlich ein. Dennoch wird große Hoffnung in das kommende Jahr gesetzt. Wichtig sei es, vor allem jetzt, die kleinen, unabhängigen Fachbetriebe zu unterstützen und ihre Zukunft dadurch zu sichern. Eine Preisschlacht der „Großen“ sei zu verhindern. In diese Richtung äußerten sich einige Wortmeldungen.

Am Ende bleibt für die Beurteilung der Auswirkungen nur, verstärkt auf das Vertrauen der Kunden zu setzen. Hygienestandards und Öffnungszeiten kommunizieren, Bestandskunden kontaktieren und über den richtigen Zeitpunkt von Werbung nachzudenken. Wir wünschen allen Fachbetrieben und Beschäftigen viel Durchhaltevermögen und Kraft.


Zum Weiterlesen:

Kostenfreie Vorlage für Hygienestandards in den Fachbetrieben

Initiativen der Hörgeräte-Hersteller

Hörluchs stellt wiederverwendbare Masken in Corona-Krise her


Ihr Autor: Marco Schulz

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