Unbemerkte Stille: Pädakustiker lassen Kinder wieder hören

Veröffentlicht am 14.09.2018
Unbemerkte Stille: Pädakustiker lassen Kinder wieder hören

Früherkennung einer Hörstörung bei Kindern besonders wichtig

Die Worte der Mama, das Klappern der Rassel, das Hupen des Autos. Rund 500.000 Kinder sind in Deutschland nicht in der Lage, Stimmen zu verstehen oder Alltagsgeräusche wahrzunehmen. Sie sind schwerhörig. Hörakustiker, die speziell für das kindliche Gehör ausgebildet wurden, in der Fachsprache „Pädakustiker“ genannt, passen moderne Hörsysteme bei den kleinsten Patienten an. Sie sorgen dafür, dass schwerhörige Kinder die Chance haben, sich altersgerecht zu entwickeln. Denn ein gut funktionierender Hörsinn ist wichtig für die Entwicklung der Sprache, für das Lernen und für die Ausbildung sozialen Verhaltens.

Das Überprüfen des kindlichen Hörvermögens ist eine außerordentlich anspruchsvolle Aufgabe – gerade bei Kleinkindern, die noch nicht richtig sprechen können.  

Hörbeeinträchtigungen sind die häufigste Sinnesbehinderung bei Kindern, betroffen sind zwei bis drei Neugeborene von 1.000. 50 Prozent aller kindlichen Hörstörungen werden jedoch erst nach dem ersten Lebensjahr entdeckt, wenn nämlich das heiß ersehnte „Mama“ oder „Papa“ ausbleibt, weil sich aufgrund einer Hörschwäche die Lautsprache nicht entwickelt.

Der Hörsinn ist jedoch essentiell für die Entwicklung des Kindes und für das Erlernen der Sprache. Wenn das Kind gut hört, kann es verschiedene Laute einfach voneinander unterscheiden, richtig zuordnen und wiedergeben. Gerade im Säuglings- und Kindesalter, wenn grundlegende kommunikative und soziale Fähigkeiten des Menschen angelegt werden, ist jeder Monat kostbar und eine Früherkennung wichtig. Hier hilft die Versorgung mit einem Hörsystem – möglich ist das bereits bei wenige Wochen alten Säuglingen.

Neugeborensceening in Deutschland ist Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen

Seit 2009 wird bei jedem Neugeborenen bereits in den ersten Tagen nach der Geburt ein Hörscreening gemacht. „Eltern sind gut beraten trotz des ersten Hörtests in den folgenden Monaten aufmerksam zu beobachten, ob ihr Kind möglicherweise beim Hören beeinträchtigt ist. Auch postnatal, durch Neugeborenengelbsucht, Virusinfektionen wie Mumps oder Masern, oder durch eine Mittelohrentzündung kann das Gehör von Babys und Kleinkindern geschädigt werden.

„Wer das Gefühl hat, sein Kind reagiert nicht auf laute Geräusche, hört nicht gut, da es regelmäßig Worte wie ‚Dose‘ und ‚Hose‘ verwechselt, Silben verschluckt, auf Zurufe oder leise Ansprachen nicht reagiert, Konzentrationsschwierigkeiten hat oder sich zurückzieht, tut gut daran, das Hörvermögen seines Kindes von einem Experten, zum Beispiel von einem Pädakustiker, überprüfen zu lassen“
Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörakustiker (biha) und selbst Pädakustikerin

Zusatzqualifikation Pädakustiker zum Erkennen und Versorgung einer kindlichen Hörstörung nötig

Hörgeräte für Kinder gibt es in vielen bunten Farben. 
© biha

In Deutschland gibt es rund 1.000 speziell für das kindliche Gehör ausgebildete Pädakustiker. Sie werden u. a. am Campus Hörakustik in Lübeck ausgebildet. Die weltweit einzigartige Bildungseinrichtung verfügt über einen speziellen Fortbildungslehrgang der Hörakustik zur Kinderversorgung. Pädakustiker verfügen über fundierte Kenntnisse und Fertigkeiten rund um das kindliche Ohr und das kindliche Hören.

Neben der Erfahrung spielt auch das Einfühlungsvermögen bei den kleinen Patienten eine besonders wichtige Rolle, denn das Überprüfen des Hörvermögens eines Kindes – gerade bei Kleinkindern, die selbst noch nicht sprechen können – ist eine außerordentlich anspruchsvolle Aufgabe. Liegt eine Hörminderung vor, kann eine fachgerechte digitale Hörsystemversorgung die Schwerhörigkeit ausgleichen. Nicht nur die kleinen Patienten werden umfassend versorgt. Auch die Eltern müssen in den Dialog eingebunden werden, um die Anpassung der Hörsysteme und das Hörverständnis bestmöglich beobachten und bewerten zu können.

So finden Sie einen Pädakustiker

Viele Hörakustikfachgeschäfte haben ein umfassendes Leistungsangebot und bieten neben der Hörgeräteversorgung von Erwachsenen auch die Versorgung von Kindern an. Auf den eigenen Webseiten der Hörakustiker oder auch auf  Verbraucherportalen, wie www.meinhoergeraet.de, erhält man daher schnell einen Überblick, was für Leistungen im jeweiligen Fachgeschäft angeboten werden. Für ein erstes Beratungsgespräch beim Hörakustiker vor Ort empfiehlt es sich vorab einen Termin zu vereinbaren.