Neue Forschungsergebnisse: Hörverlust könnte bald heilbar sein.

Veröffentlicht am 22.11.2018
Neue Forschungsergebnisse: Hörverlust könnte bald heilbar sein.

Wissenschaftler lassen sensorische Haarzellen nachwachsen

Amerikanische Forscher des URMC Del Monte Institut für Neurowissenschaften in Rochester, New York, und der international angesehenen Harvard Medical School erzielten einen gewaltigen Fortschritt in der Rehabilitierung von Schwerhörigkeiten. In einer neuen Studie ist es den Wissenschaftlern gelungen, funktionstüchtige sensorische Haarzellen der Cochlea nachwachsen zu lassen.

Diese sind maßgeblich für die Reizweiterleitung der Signale vom Innenohr zum Gehirn verantwortlich und gelten im Falle einer Schädigung bis dato als irreversibel. Die neuen Erkenntnisse lassen daher die Hoffnungen steigen, dass altersbedingte oder durch Lärmeinwirkung verursachte Schwerhörigkeiten in ferner Zukunft bald heilbar sein können.

Defekte Haarsinneszellen verursachen Hörverlust

Innenaufbau der Hörschnecke (Cochlea) 
©uni-giessen.de

Haarsinneszellen sind eine der wichtigsten Schlüsselstellen für das Hören und Verstehen. Jede Haarsinneszelle hat dabei einen ganz eigenen und fest definierten Tonbereich, für dessen Verarbeitung sie zuständig ist.

Lärm, Stress und Alterungsprozesse können die Funktionstüchtigkeit einschränken und sogar aufheben.

Damit entfällt nicht nur der Ton, sondern auch die fürs Verstehen wichtige Entschlüsselung des Reizes im Gehirn. Doch nicht nur das. Erhalten die Nervenbahnen von den Haarsinneszellen über deren Rezeptoren keine Reize mehr, verkümmern sie. Die Folgen sind neben einem schlechteren Hören oftmals auch eine dauerhafte und irreparable Reduktion der maximal möglichen Verstehleistung.

Amerikanische Studien erforschen Regeneration von Haarsinneszellen

Genau an diesem Punkt setzten die Forscher im Labor von Patricia White, wissenschaftliche Associate Professorin am Del Monte Institute for Neuroscience der University of Rochester Medical Center (URMC), bereits im Jahr 2012 an (European Journal of Neuroscience). Während durchgeführten Forschungen entdeckten sie eine Familie von Rezeptoren, den sogenannten Epidermal Growth Factor (EGF), welche bei Vögeln die Stützzellen der Haarsinneszellen in den Hörorganen aktivieren. Werden diese Zellen ausgelöst, vermehren sie sich und tragen automatisch zur Bildung neuer sensorischer Haarzellen bei. Ein Prozess der bei allen Wirbeltieren, außer bei Säugetieren zu beobachten ist.

maximale Verstehleistung des rechten Ohres von 85% bei einer Lautstärke von 85dB, ermittelt via Sprachaudiogramm 
©Acousticon

White hielt an ihrer Vermutung fest, diesen Signalweg so manipulieren zu können, dass er ähnliche Ergebnisse auch für Säugetiere erzielt. Die Forscher konzentrierten sich auf den in Cochlea-Stützzellen vorkommenden Rezeptor ERBB2 und testeten verschiedene Methoden, um den EGF-Signalweg zu aktivieren.

Sie fanden heraus, dass die Aktivierung des ERBB2-Signalweges eine Reihe weiterer zellulärer Ereignisse auslöste, die sich auf die Vermehrung der Cochlea-Stützzellen und deren benachbarten Stammzellen zur Bildung neuer sensorischer Haarzellen auswirkte. Zudem scheint es, dass neben der Regeneration von Haarsinneszellen auch deren Anbindung zu den Nervenzellen unterstützt wird, was allerdings noch präziser zu erforschen gilt.

„Diese Forschung demonstriert einen Signalweg, der durch verschiedene Methoden aktiviert werden kann und einen neuen Ansatz für die Cochlea-Regeneration und letztendlich die Wiederherstellung des Gehörs darstellen könnte.“ fasst White die Forschungsergebnisse zusammen.

Neue Möglichkeiten zur Behandlung von Hörverlust auch in Bern erforscht

Neben den Ergebnissen der amerikanischen Studie, gibt auch die Uni Bern ihre aktuellen Forschungserkenntnisse zur Behandlung von Hörbeeinträchtigungen bekannt. Ihnen ist es gelungen menschliche Innenohr-Hörzellen im Reagenzglas zu erzeugen.

Mehr Gewissheit über Ihr Hörvermögen schenkt Ihnen ein Hörakustiker in Ihrer Nähe. 

Dabei entwickelten Sie eine Methodik, die Stammzellen-ähnliche Vorläuferzellen aus der menschlichen fötalen Cochlea isoliert. In einem mehrwöchigen Prozess werden diese Zellen strukturell und funktionell differenziert, um sensorische Cochlea Haarzellen zu werden. (Nat Commun 2018; online 2. Oktober)

Aktuelle Behandlungsmethoden bei Hörverlust

Wie und wann die aktuellen Forschungsergebnisse zur Behandlung von Hörverlust in entsprechende Therapiekonzepte umgesetzt werden, ist noch ein weites und sicherlich umfassend zu untersuchendes Gebiet. Fraglich zum heutigen Zeitpunkt ist auch, ob die Behandlung von Schwerhörigkeit in Zukunft medikamentös oder operativ erfolgen wird und vor allem, zu welchem Preis. Bis dies feststeht, können laut Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. mehr als 13 Jahre ins Land gehen.

Warten Sie Ihren Ohren zuliebe daher nicht, sondern werden Sie selbst aktiv! Nutzen Sie das kostenlose Angebot eines Hörakustikers in Ihrer Nähe und machen Sie einen Hörtest zur Überprüfung Ihres Gehörs.