Zwei Jahrzehnte voller Innovationen

Zwei Jahrzehnte voller Innovationen

Mit einem Patent fängt oftmals alles an: 1901 leitete ein solches den Grundgedanken moderner Hörgeräte und Hörtechnik ein. Die Rede ist vom sogenannten „Acousticon“ des New Yorkers Miller Reese Hutchinson; einem Kohlemikrofon mit Verstärker und Lautsprecher und dem ersten elektrische Hörgerät. Das jedoch ist nur der Prolog einer großen Erfolgsgeschichte sein. Von 1998 bis 2019 verbuchte die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) alleine in der Kategorie „Hörgeräte und Induktionsschleifen“ 10.131 neue Patentanmeldungen.

Die Top-5-Patentanmelder dominieren mit einem Anteil von 23 % am Datensatz.

Patente werden nicht umsonst in die Berechnung eines Unternehmenswertes einbezogen; Sie machen forschende Unternehmen überhaupt erst wertvoll. Besonders in Branchen mit Produkten und Technologien, die stetig weiterentwickelt werden und werden müssen, sind regelmäßige Innovationen Pflicht, wenn Unternehmen im Wettbewerb bestehen möchten. Die für die Aufnahme der Patente weltweit zuständige Weltorganisation für geistiges Eigentum (World Intellectual Property Organization, kurz WIPO) veröffentlichte in einem Report nun Daten über Patentanmeldungen von 1998 bis 2019.

Unternehmen und deren Patente

In der Kategorie Conventional Hearing Assistive Technology wurden innerhalb dieser 21 Jahre 14.198 Patente angemeldet. Davon den größten Anteil hat die Sparte „Hörgeräte und Induktionsschleifen“ mit 10.131 Stück. Und davon die Hälfte sind patentierte Innovationen im Bereich klassischer Hörgeräte – und jährlich werden es mehr.

Hörgeräte sind eben noch lange nicht am qualitativen Maximum angekommen, auch wenn sie heute schon auf einem beeindruckenden technischen Niveau agieren – man lasse sich nur einmal das Thema künstliche Intelligenz auf der Zunge zergehen. Höchstspannend, keine Frage!

Eines fällt besonders auf: Multimedia- und Elektronikunternehmen beteiligen sich immer mehr an der Entwicklung von Hörgeräte-Technologien. Nach genretypischen Unternehmen wie WS Audiology, Sonova, Demant oder Cochlear, sind Firmen wie Panasonic, Sony, LG oder Apple ebenfalls mit einer Vielzahl an Patenten für hörverbessernde Innovationen vertreten.

Science ohne Fiction

Beeindruckendes passiert aber auch abseits des 73 %-Anteils der „Hörgeräte und Induktionsschleifen“. Da wären zum Beispiel taktile Sensoren am Fahrrad, die den Lenker vibrieren lassen, wenn Hindernisse erkannt werden, oder auch tragbare Geräte, die der schwerhörigen Person mitteilen, wenn sich ein Auto nähert.

Es ist kaum zu glauben, was mit dem heutigen Stand der Wissenschaft bereits möglich ist. Einem Patenteigentümer gelang es beispielsweise, eine Prothese zu entwickeln, die in der Lage ist, einen Teil des Mittelohrs zu ersetzen. Ein weiteres Patent bezieht sich auf Handschuhe mit Sensoren, die Handhaltung, Position und Gesten messen und erkennen und so Gebärdensprache in Echtzeit in gesprochene Sprache und Text übersetzen können. Die Krone setzt dem jedoch ein Knochenleitungs-Lautsprechersystem auf, das – beispielsweise an einer Brille befestigt – Audiosignale umwandelt und per Vibrationen an das Innenohr weiterleitet.

Patente als Basis für Innovationskraft

Patente sind die DNS eines jeden Unternehmens, denn sie sichern nicht nur seinen Wert, sondern auch seine Zukunft und – im Falle der Hörgerätebranche – die Hörgesundheit der Menschen. Nicht ohne Grund sind die Hersteller bestrebt, immer weiter an neuen Innovationen zu feilen. Im aktuellen WIPO Report werden die forschenden Unternehmen nach deren Patent-Anzahl aufgeführt. Doch auch hier gilt: Nicht Masse, sondern Klasse ist entscheidend.

Stefan Menzl, Chief R&D Officer von WS Audiology.

Stefan Menzl, Chief R&D Officer von WS Audiology dazu:

“In den letzten 5-10 Jahren hat sich der Ansatz von WS Audiology von einem quantitativen zu einem eher qualitativen entwickelt. Ähnlich wie in anderen Branchen konzentriert sich unsere IP-Strategie darauf, wohin sich der Markt bewegt und wir versuchen, relevante Technologien in Bereichen zu schützen, von denen wir glauben, dass sie den Marktwandel unterstützen. Die Kundenbedürfnisse ändern sich schnell. Digitalisierung und Tele-Audiologie sind die Schlüsselworte. Unsere Hauptstrategie ist es, sicherzustellen, dass wir unsere Freiheit auf dem Markt erhalten können, indem wir eine starke und relevante Patentposition haben und ein attraktiver Geschäftspartner sind“

Fazit

Erfindungen, aber auch intelligente Produktionsverfahren und die spätere Distribution sind sicherlich entscheidende Faktoren für den massentauglichen Erfolg von Innovationen. Der Ausgleich von Hörminderung ist wie auch die WHO in ihrem letzten WHO Report on Hearing eine der großen Herausforderungen im Gesundheitswesen: 2050 werden geschätzte 2,5 Mrd. Menschen mit einer Hörminderung leben. Und mindestens 700 Mio. von ihnen werden Zugang zu Hilfsmitteln und anderen Rehabilitationsmaßnahmen benötigen, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden.


Zum Weiterlesen:

Report: WIPO Technology Trends 2021

Signia Keynote am 4. Mai 2021

WHO Report World on Hearing


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