Können wir in Zukunft bald Hörgeräte mit unseren Gedanken steuern?

Veröffentlicht am 05.07.2018
Können wir in Zukunft bald Hörgeräte mit unseren Gedanken steuern?

Mit der Kraft der Gedanken in Zukunft bald besser Hören

Die Sonne lacht, der Wind ist still. Ideale Bedingungen, um auf Festivals oder Gartenpartys die Zeit mit Freunden und Bekannten zu genießen. Doch stellt der Genuss für Hörgeräteträger oftmals auch eine Herausforderung dar. Besonders dann, wenn sich viele Unterhaltungen überschneiden. Jetzt ist Disziplin, gute Hörgerätetechnik und Konzentration beim Auseinanderklamüsern des Stimmengewirrs gefragt. Welchen Gesprächspartner will ich eigentlich hören? Und wer hat nochmal was gefragt? Wie entspannend und einfach wäre es doch in solchen Momenten, wenn die Hörgeräte mit Kraft der eigenen Gedanken automatisch das Verstehen des gewünschten Gesprächspartners verstärken könnten?

Das Stimmenentwirr-System analysiert anhand der Gehirnwellen, welcher Gesprächspartner verstärkt werden soll und hebt ihn hervor. 
© Neural Acoustic Processing Lab

Stimmenentwirr-System bereits entwickelt

Nima Mesgarani, Elektrotechnik-Professor der Columbia University, gelang es mit ihrem Team ein solches Stimmenentwirr-System zu entwickeln.Dieses separiert bereits am Audio-Eingang die aufgenommenen Stimmen anhand ihres Frequenzmusters und gleicht sie mit dem neuralen Gedanken-Signal des Nutzers ab. Deckt sich das neurale Signal mit der Stimme des Gesprächspartners, ist es genau das Signal worauf sich der Nutzer gerade konzentriert und wird verstärkt.

"Wir konnten das System schaffen, nachdem wir einen Durchbruch bei der Nutzung tiefer neuronaler Netze zu Sprachseparierung erzielt haben"Nima Mesgarani

Der Samen ist damit gesät. Allerdings bleibt noch abzuwarten wann es dieses Stimmenentwirr-System als kleinen unauffälligen Hörstecker geben wird.

Zukünftige Technologien werden durch Gedanken gesteuert

Auch IBM entwickelt mit Hilfe der Elektroenzephalographie (EEG) Systeme, bei denen sich Objekte durch die Kraft der Gedanken bewegen lassen. „Wir hören dem Gehirn zu und zeichnen das Gehörte auf“, erläutert der leitende IBM-Ingenieur Joshua Carr. Mittels eines Headsets können bereits Gehirnwellen ausgelesen und in Steuerungsbefehle für Bluetooth-fähige, miteinander vernetzte Endgeräte verwandelt werden. Über das „Internet der Dinge“ kann damit jeder individuell seine Apps für den Alltag zusammenstellen, durchführen und sogar kontrollieren lassen.

Wie einfach und entspannend es dann wäre, sich aufs Sofa zu setzen und mit hinterlegter Fernseh-App nur daran denken zu müssen, dass der Fernseher das Wunschprogramm einschaltet. Oder die Hörgeräte automatisch erkennen welcher Gesprächspartner, dank der eigenen Gedanken, verstärkt werden soll.

Hörgerätetechnologie knüpft an technischen Entwicklungstrend an

Oticon Opn lässt sich mit dem Internet der Dinge verknüpfen. Smart Home-Lösungen können den Alltag von Hörgeräteträgeren zusätzlich erleichtern. 
© Oticon

Es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit, dass sich Hörgeräte in Zukunft durch die Kraft der Gedanken lenken lassen können. Sind doch bereits jetzt schon Parallelen zwischen dem allgemeinen Entwicklungstrend und aktuellen Hörgerätetechnologien erkennbar.

So integriert nahezu jeder Hersteller die Möglichkeit die Hörsysteme mit dem Smartphone zu vernetzen, um Trägern die manuelle Regulierung und situationsbedingte Optimierungen der Hörgeräteinstellung zu erleichtern und flexibler zu gestalten. Eine integrierte 2,4GHz-Bluetooth-Schnittstelle verbindet die Hörgeräte mit Bluetooth auch schon jetzt mit dem Internet und Bluetooth-fähigen Endgeräten. Direkte Übertragungen von Fernsehsendungen, Telefongesprächen, etc. erleichtern das Verstehen und tragen zum entspannten Hören bei

Der Hersteller Oticon geht jedoch noch einen Schritt weiter und schenkt dem Hörgeräteträger mit Oticon Opn seine freie Entscheidung technisch zurück, worauf er sein Hören konzentrieren möchte. Dabei verfolgt Oticon sein BrainHearing-Prinzip, dass dem Träger das Hören nahezu so ermöglicht, wie es dem natürlichen Hörvorgang komplexer Hörsituationen im Gehirn entspricht. Durchgeführte Studien zur Aufhebung der technisch vorgegeben Direktionalität zeigen eine Verbesserung des Sprachverstehens von 30%* bei gleichzeitig 20%weniger Höranstrengung**. Zudem ist die BrainHearing-Technologie Oticon Opn bis dato das einzige Hörsystem, dass mit dem Internet der Dinge verknüpft ist und damit alltasgserleichternde Smart Home-Lösungen bietet.

Wer also immer noch glaubt Hörgeräte seien unmodern und nur etwas für alte Leute, kann sich gerne bei einem Hörakustiker vor Ort vom Gegenteil überzeugen lassen.

 *Im Vergleich zu Oticon Opn 1 ohne OpenSound Navigator. Studie mit 24 leicht bis mittelgradig schwerhörigen Versuchspersonen. Le Goff und Beck, 2017, Whitepaper.
**29 Normalhörende (nach ISO 7029-1984) mit einem mittleren Alter von 66 Jahren und einem mittleren Hörverlust von max. 25 dB HL. Lunner et al., Aging and Speech Communication Conference, 2017.

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